Karies bei Kleinkindern

Schon während der Schwangerschaft entwickeln sich die Anlagen sowohl für die Milchzähne als auch schon Teile der bleibenden Zähne. Gesunde und nährstoffreiche Ernährung der werdenden Mutter gewährleistet eine normale Entwicklung der Zahnkeime und bildet so schon einen gewissen Schutz vor Karies. Auch sollte die Mutter bereits bei Beginn der Schwangerschaft ihr eigenes Gebiss in Ordnung bringen lassen, denn so schwächt z.B. eine Entzündung des Zahnhalteapparates nicht nur das Immunsystem, sondern birgt auch die Gefahr einer Frühgeburt . Für die Gebissentwicklung des Neugeborenen ist das Stillen optimal, Durch die Saugarbeit wird der Lippenschluss trainiert, was für die Lautbildung von Bedeutung ist, ebenso werden die Kau- und Gesichtsmuskeln trainiert. Sind die Lippen gestärkt und es liegen keine Veränderungen im Nasenbereich vor, atmet das Baby durch die Nase. Auch dies ist wichtig, weil bei offenem Mund die Mundhöhle austrocknet und sich somit das Kariesrisiko erhöht.
Anders als beim Stillen ist die Situation bei Nuckelflaschen. Durch den Druck beim Nuckelvorgang werden die Muskeln der Wangen eingezogen, der Mund geöffnet und die Zunge gegen den Unterkiefer vorgeschoben. So wird verhindert, dass es nicht zur sonst üblichen reinigenden Spülwirkung des Speichels kommt, umso stärker ist der negative Effekt wenn vor dem Einschlafen oder in Wachphasen während der Nacht genuckelt wird, da in diesen Zeiten kaum Speichel in die Mundhöhle abgegeben wird. Die Einwirkungszeit ist bei den oberen Schneidezähnen am längsten ( die unteren Zähne werden durch die Zunge abgedeckt ) und so entstehen auch hier am häufigsten kariöse Defekte. Besonders schädlich sind Flaschenfüllungen aus zuckerhaltigem Tee, Instant-Kakao, Limonaden, Cola-Getränk, auch Milch ist nicht geeignet, weil die Zähne ständig umspült sind und so die Bakterien ungehemmt Säuren produzieren können – es entsteht das sogenannte Baby-Bottle-Syndrom auch Flaschenkaries oder Saugerflaschenkaries genannt. Bei diesem Krankheitsbild sind die Zähne oft bis auf das Zahnfleischniveau zerstört.
Wenn über 6 – 12 Monate gestillt werden kann, sollten überhaupt keine Saugerflaschen gegeben werden, auch Schnabelaufsätze als Lernhilfe fürs Trinken sollten nur über 4 – 6 Wochen eingesetzt werden. Werden wegen der nicht lang genug dauernden Stillzeit doch Flaschen verwendet, dann sollten keine Kunststoff-Flaschen, die das Baby dann selbstständig handhabt, verwendet werden, sondern Glasflaschen, die der elterlichen Kontrolle unterliegen.
Bei Neugeborenen befinden sich noch keine Bakterien in der Mundhöhle, erst nach und nach entwickelt sich eine normale Mundflora. Die typischen Kariesbakterien sind dabei nicht vorhanden. Diese Bakterien werden übertragen, wenn z.B. Mutter oder Vater den Brei vor dem Füttern vom Löffel probieren oder – eine häufige Unsitte- den auf den Boden gefallenen Schnuller ablecken, bevor sie ihm dem Baby wieder geben.
Eine gute Mundhygiene der Eltern und regelmäßiger Zahnarztbesuch ist anzuraten, denn sind die Bakterien erst einmal im Mund beginnen sie sobald sie an Zucker gelangen ihr Zerstörungswerk.
Nach Durchbruch der ersten Milchzähne, etwa ab dem 6. Lebensmonat, sollten sie schon mit einem Wattestäbchen gereinigt werden, erst später mit Kinderzahnpasta geputzt werden. Wichtig ist, dass das Kleinkind lernt, den Mund zu öffnen , sich in die Mundhöhle hineingreifen zu lassen und sich die Zähne anfänglich putzen lässt, bevor es selbst die Fähigkeit besitzt mit einer Zahnbürste umzugehen. Kinder lassen sich zum Zähneputzen sowohl durch Lob und Zuwendung als auch durch Nachahmen der Eltern motivieren. Mit etwa 30 Monaten sind in der Regel alle Milchzähne durchgebrochen, Abweichungen beeinträchtigen die weitere Entwicklung aber nicht