Zahnfleisch und Allgemeinerkrankungen

Bluthochdruck
Medikamente zur Behandlung des Bluthochdrucks müssen häufig über lange Zeit eingenommen werden. Bei bestimmten Präparaten wie z.B. die des Typs Nifedipin können zu Veränderungen am Zahnfleisch führen. Es entstehen Wucherungen, die für den Patienten sehr belastend sind, zum einen weil sie unschön aussehen, zum anderen weil sie das Kauen erschweren können wie es in fortgeschrittenen Fällen vorkommt. Zudem lagern sich an den Wucherungen bevorzugt bakterielle Beläge ab. Daraus resultiert oft eine chronische Entzündung, die sogar zum Zahnverlust führen kann.

Diabetes
Die Erkrankung der Menschen in den westlichen Ländern an Diabetes mellitus- der Zuckerkrankheit – nimmt ständig zu. Dabei werden vermutlich nur etwa 50 % der Erkrankten erkannt. Meist betrifft es Menschen über 40 Jahre. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen Zahnbetterkrankungen ( Parodontitis) und Diabetes.
Zum einen weiß man heute, dass bei Diabetikern eine nicht behandelte Parodontitis schneller und heftiger verläuft. Auch bei schlecht eingestellten Diabetikern besteht das Risiko für Knochenverlust, schwererer Verlauf der Parodontitis und letztendlich Zahnverlust. Bei gut eingestellten Diabetikern besteht dieses Risiko nicht höher als bei gesunden.
Ebenso kommt es bei Diabetikern häufig zu Wundheilungsstörungen, sie neigen mehr zur Bildung von Zahnfleischabszessen und Zahnfleischentzündungen, die oft mit Geschwürbildung einhergehen, sowie an Rissen an den Mundwinkeln. Bei manchen Medikamenten werden diese Symptome noch durch Mundtrockenheit verstärkt. Außerdem haben Diabetiker, sowohl Typ II- als auch Typ-I-Patienten ein 3-fach höheres Risiko einer Parodontalerkrankung als Nicht-Diabetiker.
Umgekehrt kann eine nicht erkannte und behandelte Parodontitis die Einstellbarkeit des Diabetes beeinflussen. Eine konsequente Behandlung der Parodontitis verbessert den Diabetes-Status und je besser der Diabetes eingestellt ist, umso erfolgreicher ist die zahnärztliche Behandlung.

Nierenerkrankungen und Dialyse
Zahnfleischerkrankungen stellen generell eine erhebliche Belastung für den Körper dar und können andere Organerkrankungen begünstigen. Besonders bei Nierenerkrankungen und Dialyseanwendungen ist eine entzündungsfreie Mundhöhle von äußerster Wichtigkeit.
Nierenerkrankungen können unabhängig von anderen Krankheiten auftreten, sie entwickeln sich oft über längere Zeit und können bei Verschlechterung eine Dialyse oder sogar eine Nierentransplantation nötig machen. Auch ein Diabetes, wen er schlecht eingestellt ist, kann auf Dauer zu Nierenschädigungen führen.
Da die Dialyseanwendungen für den Patienten eine Dauerbelastung darstellen, vernachlässigen sie oft ihre Mundhygiene. Die Entstehung von Karies und/oder Parodontitis können die Folge sein. Oberstes Gebot ist also eine optimale Mundhygiene, sowie ein saniertes Gebiss, weil die Parodontitis eine zusätzliche Belastung für den Körper wäre.

Organtransplantationen
Vor dem Eingriff einer Organtransplantation muss die Mundhöhle entzündungsfrei sein. Es dürfen keine Zahnfleischentzündungen und keine kariösen Zähne vorhanden sein. Da die Internisten um diese Voraussetzung wissen, werden diese Patienten der zahnärztlichen Sanierung zugeführt.
Nach der Organtransplantation gilt der Patient als „Risiko-Patient“. Durch die Langzeittherapie mit Medikamenten, die die Abstoßung des Organs verhindern sollen, auch durch blutdrucksenkende Mittel entwickeln sich oft Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischwucherungen als Nebenwirkung dieser Medikamente. Hierbei erscheint das Zahnfleisch zerfurcht, blumenkohlartig, dann wulstig verdickt. Das erschwert die Zahnpflege und es bilden sich leichter bakterielle Zahnbeläge mit der Folge einer Zahnfleischentzündung.

Zahnpflege bei erhöhtem Risiko zu Zahnfleischbluten und Parodontitis
Zu einer effizienten Mundhygiene gehören gründliches Zähneputzen, hier vor allem die Reinigung der Zahnzwischenräume, sowie Fluoridierungen mit fluoridhaltigen Zahnpasten, Mundspüllösungen und Fluorid-Gels.
Unterstützt werden sollten die häuslichen Maßnahmen durch eine professionelle Zahnreinigung. Mindestens 2-mal jährlich, nach Anfälligkeit auch öfter, sollte sie durchgeführt werden. Hierbei werden von speziell weitergebildetem zahnärztlichem Personal alle harten und weichen Beläge gründlich entfernt, vor allem auch in den Zahnzwischenräumen. Anhand von gefundenen Defiziten erhält man auch Ratschläge, wie die Mundhygiene verbessert werden kann. Trotz allem sind manchmal bei fortgeschrittenen Zahnfleischwucherungen kleine chirurgische Eingriffe seitens des Zahnarztes erforderlich.

Quelle : Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V.